Ich biete meinen Gefühle einen Stuhl an

rumi-405782_1280Seit ich ganz bewusst Zeit damit verbringe, all meinen Gefühlen Aufmerksamkeit zu schenken, hat das Gedicht „Das Gasthaus“ von Rumi sich für mich mit Leben gefüllt:

Das menschliche Dasein ist ein Gasthaus.
Jeden Morgen ein neuer Gast.
Freude, Depression und Niedertracht –
auch ein kurzer Moment von Achtsamkeit
kommt als unverhoffter Besucher.
Begrüße und bewirte sie alle!
Selbst wenn es eine Schar von Sorgen ist
die gewaltsam Dein Haus
seiner Möbel entledigt
Selbst dann behandle jeden Gast ehrenvoll
vielleicht reinigt er Dich ja
für neue Wonnen
Dem dunklen Gedanken, der Scham, der Bosheit –
begegne ihnen lachend an der Tür
und lade sie zu dir ein
Sei dankbar für jeden, der kommt
denn alle sind zu Deiner Führung geschickt worden
aus einer anderen Welt.
(Rumi)

Egal, was sich bei mir zeigt, ob ich mich ängstlich, traurig, ohnmächtig oder wütend fühle – ich setze mich für ungefähr eine Viertelstunde hin und lasse da sein, was da ist. Ich bewerte und interpretiere nicht. Ich nehme einfach wahr, wie sich die Emotion anfühlt. Kribbelt es? Zieht sich mein Magen zusammen? Ist es heiß wie Feuer? Fühlt es sich wie ein Ziehen an?

Ich bemerke, dass aufmerksames Mir-selbst-Zuhören meine Gefühle zur Ruhe kommen lässt, und sie nicht noch extra aufwallen lässt. Selbst falls du davor Angst hast und sogar falls es passieren könnte, hast du jederzeit die Möglichkeit, die Übung zu stoppen und etwas anderes zu machen (z. B. kann es sinnvoll sein, ganz schnell auf der Stelle zu hüpfen, denn das hilft dabei, die vorige Konzentration zu unterbrechen und sich auf etwas Neues auszurichten).

Sind meine Gefühle auf diese Weise zu ihrem Recht gekommen, kann ich worken, was mich beschäftigt. Durch die Vorbereitung geht es dann meist sehr gut, die vorhandenen Gedanken zu überprüfen.

 

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