Aber bitte mit viel Gefühl!

Beim Worken kann man in die verhängnisvolle Falle tappen, unangenehme Gefühle nicht spüren zu wollen. Es passiert dir vielleicht etwas, was dich in Aufruhr versetzt – möglicherweise hattest du einen Streit, bist noch ganz empört und aufgewühlt und  merkst, wie unangenehm dir eigentlich die damit verbundenen Gefühle sind. Am liebsten hättest du sie gar nicht.

Mir ist es schon passiert, dass ich dann zu schnell ins Worken gegangen bin und mir nicht genug Raum genommen habe, mir dieser Empfindungen überhaupt erst einmal in aller Ausführlichkeit bewusst zu werden. Stattdessen habe ich fix meine stressigen Sätze aufgeschrieben und diese dann geworkt.

Natürlich habe ich bei Frage 3 „Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?“ die Empfindungen noch mal durchlebt. Da sich so manche Work aber dennoch hinterher etwas „schal“ angefühlte, bin ich für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich bei Vorfällen, bei denen ich heftig reagiere, nicht gleich worke.

Was tue ich also stattdessen? Ich lade die Gefühle ein, Platz zu nehmen und so lange zu bleiben, bis sie sich beruhigt haben.

Welche Hilfe biete ich ihnen an? Ich lasse sie unzensiert vor sich hinbrabbeln und toben. Ich übernehme in diesem Fall die Sekretärinnen-Aufgabe und schreibe alles mit, was ich so zu hören bekomme. Es ist völlig okay, wenn es heftig, beleidigend oder unrealistisch wird. Hauptsache, es darf erst einmal alles da sein und es wird alles gehört. In dieser Phase existieren keine Schuldgefühle, auch wenn jemand als „Arschloch“ betitelt wird oder wenn jemandem der Tod gewünscht wird.

Hat sich die Luft etwas abgekühlt, kann ich zum Worken übergehen. Oder ich schlafe eine Nacht darüber und schaue dann am nächsten Tag, ob sich die notierten Sätze noch immer passend anfühlen. (Meist bin ich dann nämlich schon milder gestimmt).

Entweder ich worke dann direkt einen oder mehrere der mitgeschriebenen Sätze oder ich stelle mir aus diesen ein Arbeitsblatt zusammen, indem ich sie mit den dort zu findenden vorgegebenen Satzanfängen verbinde.

Indem ich mir mit dem Wahrnehmen der Gefühle so viel Raum gebe, tue ich auch etwas für meine Selbstachtung. Ich bin achtsam mir selbst gegenüber: meiner Verletzung, meinem Gekränktsein, meinem schreienden, inneren Kind. Und ich für mich glaube, dass ich nur achtsam anderen gegenüber sein kann, wenn ich mir diesen Schritt zugestehe, anstatt „weise“ oder „heilig“ sein zu wollen (was in der Tat interessant, aber vielleicht auch etwas blutleer und leblos wäre).

„Feelings have a right to live!“ Das habe ich Byron Katie auf einer Veranstaltung in diesem Kontext sagen hören. Für mich stimmt es zu 100%.

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