Ungewollt kinderlos – mit dem Verlust leben lernen

„Es tut mir sehr leid. Es handelt sich nicht mehr um eine intakte Schwangerschaft!“ Ich hörte die Worte meines Gynäkologen wie durch Watte. Ich saß auf dem Behandlungsstuhl, er hatte gerade den Ultraschall gemacht und meine Welt stürzte ein.

Zweimal erlebte ich es, dass das in mir wachsende Leben nicht weiterging. Neben der Tatsache, zwei Kinder verloren zu haben, fühlte sich die Aussicht, generell kinderlos zu bleiben,  nach einem weiteren Tod an.

Die Zeit nach meinen Fehlgeburten war die schlimmste in meinem Leben. Ich war völlig verzweifelt, spürte bodenlose Trauer, wurde für eine zeitlang arbeitsunfähig, war depressiv und spielte immer wieder mit dem Gedanken, meinen Kindern hinterherzugehen.
Eine schwangere Frau zu sehen, war ein Alptraum. Sofort kamen Gedanken wie: „Wieso sie und nicht ich?“ Kindern ungezwungen zu begegnen, war eine Unmöglichkeit, denn sie zeigten mir, was ich nicht hatte und auch nicht bekommen würde. Die Namen, die ich für meine Kinder ausgewählt hatte, bei anderen Kindern zu hören, war unerträglich.

Neben all der dunklen Gefühle war es schlimm, die Trauer nur mit meinem Mann und engsten Freunden teilen zu können. Ein Kind, welches nach außen hin noch nicht sichtbar war, öffentlich zu betrauern, ist auch heute noch eine schwierige Sache. Von der Familie und dem Bekanntenkreis erhielten wir gutgemeinte und hilflose Ratschläge wie es doch einfach nochmal zu versuchen, sowie einen Hinweis auf die statistische Wahrscheinlichkeit, in meinem Alter eine Fehlgeburt zu erleiden. Ich fühlte mich isoliert, unverstanden und nicht dazugehörig.

Als ich die Work kennenlernte, bearbeitete ich dieses Thema ganz bewusst. Durch die Work sortierte ich meine Gefühle und bekam endlich tiefes Mitgefühl mit mir selbst. Ich erkannte, dass es neben meinen schmerzhaften Gedanken  Optionen gab, die tröstlich, raumgebend und befreiend waren und die ich bisher nicht zulassen konnte. Ich verstand nun sehr gut, was Katie damit meint, wenn sie sagte: „Ich erkannte, dass ich litt, wenn ich meinen Gedanken glaubte, und dass ich nicht litt, wenn ich sie untersuchte.“
Hätte ich damals schon die Work gekannt, wäre vermutlich vieles anders gelaufen. So hatte ich zuvor nur die Wahl, mich an den Schmerz, der langsam etwas blasser wurde und doch nie wirklich verschwand, zu gewöhnen.

Bin ich heute niemals mehr traurig darüber, keine Kinder bekommen zu haben? Nein. Es gibt immer wieder Gelegenheiten, die mir einen Stich verursachen. Aber es ist in Ordnung. Ich bin meist im Reinen damit (und wenn nicht, schaue ich mir mit der Work an, was gerade an mir zerrt). Ich bin heute in einem Zustand, von dem ich mir damals nicht vorstellen konnte, ihn jemals zu erlangen.

Mein tiefer Wunsch ist es, betroffenen Frauen (und gerne auch Männern) eine Anlaufstelle zu sein, bei der sie sich nicht verstellen müssen. Ich bin selbst in diesen Schuhen gegangen und weiß, wie man sich darin fühlen kann. Meiner Erfahrung nach ist es für die Trauer unerheblich, zu welchem Zeitpunkt man ein Kind verliert. Ein Verlust ist ein Verlust.

Gerne unterstütze ich dich, deine traurigen, wütenden und verzweifelten Gedanken mit dir gemeinsam anzuschauen und sie mit der Work zu befragen.
Ich wünsche mir, dazu beitragen zu können, dass Frauen mit Fehlgeburten und auch ungewollt kinderlos gebliebene Frauen (und Männer) ihren Leidensweg abkürzen können und sich mit der Realität Stück für Stück anfreunden können, um ein lebenswertes, gutes Leben zu führen.

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